Kastration Rüde

Häufig wird uns die Frage nach dem „Für und Wider“ der Kastration eines Rüden gestellt. Nachfolgend möchten wir Ihnen kurz erläutern, wo die Vor- und Nachteile liegen.

Oft wird eine unerwünschte Verhaltensweise oder Verhaltensänderung als Hauptgrund für eine Kastration angesehen. Bei der Kastration eines jungen Rüden (unter 2 Jahren) ist eine Verhaltensänderung in der Regel zu erwarten. Diese bezieht sich aber auf durch Hormone verursachtes Verhalten. Läufigen Hündinnen wird nicht mehr nachgestellt, die Neigung zum Streunen nimmt merklich ab und evtl. vorhandenes aggressives Verhalten gegenüber anderen Rüden kann sich bessern. Bei älteren Rüden ist solch eine Veränderung zwar möglich und auch wahrscheinlich, aber es kann aufgrund bereits geprägten Verhaltens nicht garantiert werden. Die Hormonumstellung geht nach der OP langsam von statten und erst nach ca. 6 Wochen macht sich die Verminderung an männlichem Hormon im Verhalten bemerkbar.

Hundehalter sollten vor der Entscheidung für eine Kastration jedoch das Benehmen ihres Vierbeiners genau beobachten, denn nicht jede Art von aggressivem Verhalten ist auf den Sexualtrieb zurückzuführen. Nach der Kastration wird nur das sexuelle Konkurrenzverhalten gegenüber anderen potenten Rüden gemindert. Ein anscheinend „schwer erziehbarer“ Hund wird durch eine Kastration nicht plötzlich gut erzogen.

Ein anderer Grund für die Operation ist der weißliche Ausfluss, den geschlechtsreife Hunde häufig in der ganzen Wohnung verteilen. Diese tröpfchenartige Ausscheidung nennt sich „Präputialkatarrh“ und stellt für viele Hundehalter ein hygienisches Problem dar. Nach einer Kastration verschwindet der Ausfluss binnen weniger Tage.

Ein wichtiger medizinischer Grund für eine Kastration ist die fast völlige Reduzierung einer hormonbedingten Prostatavergrößerung. Unkastrierte ältere Rüden neigen zu einer Prostatavergrößerung, was sich in bluthaltigem Harn, Kotabsatzschwierigkeiten und Vorwölbungen im Analbereich auswirken kann. Außerdem hat eine vergrößerte Prostata eine höhere Tendenz zur Entartung (Bildung von Tumoren). Diesem das Tier sehr belastenden Problem kann mit einer Kastration vorgebeugt werden.

Als Nachteil der Kastration ist die sogenannte „Leichtfuttrigkeit“ anzusehen. Die Tiere haben einen größeren Appetit und gleichzeitig, durch das Fehlen der männlichen Geschlechtsorgane, einen verlangsamten Stoffwechsel, d.h. sie können das Futter besser verwerten. Dies führt zwangsläufig bei gleichbleibender Futtermenge zu einer Gewichtszunahme. Eine ggr. Futterreduktion sowie eine ausreichende Bewegung können dem entgegenwirken.

In einigen Fällen, und dies besonders bei langhaarigen Rassen, kann es zu Fellveränderungen kommen. Dabei entwickelt sich ein weicheres, flauschigeres Fell, das dem des Welpenfells ähnelt.

Die Kastration ist eine Routine-Operation und wird in der Regel gut vertragen. Komplikationen, die Wundheilung betreffend, treten eigentlich nur auf, wenn der Hund während der Heilungsphase die Wunde beleckt.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Kastration bei Rüden

Bei Rüden ist der Zeitpunkt der Kastration nicht so entscheidend, wie bei der Hündin. Ab einem Alter von 6 Monaten kann ein Rüde kastriert werden. Je früher ein Rüde kastriert wird, desto eher legt er unerwünschte Verhaltensweisen ab bzw. entwickelt sie erst gar nicht. Er behält seinen verspielten und leicht naiven Charakter. Die meisten Rüden, die früh kastriert werden, werden größer als ihre gleichaltrigen, nicht kastrierten Kollegen. Dies liegt am nach der Kastration länger überwiegenden Östrogen. Dies hemmt den Schluss der Wachstumsfugen, so dass die Röhrenknochen länger wachsen.

Wird ein Rüde erst spät kastriert und zeigt unerwünschte hormonbedingte Verhaltensweisen, ist es möglich, dass diese „antrainiert“ sind und sich auch nach der Kastration nicht mehr ändern.

Als Fazit kann man festhalten, das es Gründe für und gegen eine Kastration gibt und es für jeden Hund individuell entschieden werden muss.

Gerne beraten wir Sie in unserer Praxis!

 

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