FORL (TR=Tooth Resorption/RL=Resorptive Läsion)

FORL (TR=Tooth Resorption/RL=Resorptive Läsion) „UPDATE“:

Dieses Akronym steht für die sogenannte Feline Odontoklastische Resorptive Läsion (FORL). Dieser Begriff wird mehr und mehr durch die Begrifflichkeit der TR (‚Tooth Resorption‘) oder auch RL (‚Resorptive Läsion‘) ersetzt, da dieses Phänomen in ähnlicher Weise auch bei Hunden, Pferden und
dem Menschen zu finden ist.

Klinisches Bild und Einteilung

Da Katzen evolutionsbedingt Schmerzen im Maulbereich meist nur schwer oder gar überhaupt nicht zeigen, ist der Beginn einer TR so gut wie unmöglich vom Besitzer zu bemerken. Es können in fortgeschrittenen Stadien vermehrtes Speicheln oder Kauprobleme beobachtet werden. Nicht-Fressen, eine etappenweise oder selektive Futteraufnahme sind Hinweise auf eine RL. Dabei wird häufig im Gegensatz zur landläufigen Meinung das Trockenfutter bevorzugt, da die Bestandteile ohne Kauen abgeschluckt werden können. Wenn saure Bestandteile des Nassfutters an einen betroffenen Zahn kommen, bereitet das Schmerzen. Ein geröteter Saum der Gingiva (Gingivitis) ist ein starkes Warnsignal für eine RL. Auch fehlende Incisiven (Schneidezähne) weisen auf die große Wahrscheinlichkeit einer RL hin. Die betroffenen Zähne sind oft symmetrisch angeordnet. So findet man am P3 und M1 des Unterkiefers und am P4 im Oberkiefer sehr häufig resorptive Läsionen.

Beim Tierarzt werden solche Symptome oft nur als Zufallsbefund zum Beispiel bei der Impfung festgestellt. Wenn ein Verdacht besteht sollte eine Sondierung mit der scharfen Sonde durchgeführt werden, soweit es der Patient zulässt. Dabei kann ein sogenanntes ‚Chattering‘ (Klappern mit dem Kiefer) beobachtet werden. Dies weist auf starke Zahnschmerzen hin.
Ein intraorales Röntgen der verdächtigen Zähne ist für eine Diagnosestellung unabdingbar. Da der Beginn der Erkrankung im Verborgenen abläuft, ist es immer anzuraten einen kompletten aktuellen Zahnstatus zu erheben. Auch regelmäßige Nachkontrollen sind wichtig, da eine röntgenologische Darstellung der RL erst bei 40%igem Dichteunterschied zwischen gesundem und betroffenen Dentin möglich ist und so frühe Stadien oft nicht erkannt werden können.

Vom American Veterinary Dental College (AVDC) ist eine Einteilung in 3 Typen und 5 Stadien
unternommen worden.
Beim Typ 1 finden sich fokale oder multifokale Radioluzenzen, bedeutet: an einer oder mehreren Stellen am Zahn im Röntgennegativbild dunkel erscheinende Bereiche. Es gibt einen erhaltenen Paradontalspalt und die Röntgendichte um des betroffenen Bereich ist physiologisch. Der Typ 1 findet sich oft in Zusammenhang mit einer Paradontitis und horizontalem Knochenabbau.

Der Typ 2 ist gekennzeichnet durch Ankylosen (Fusion der Zähne mit dem Kieferknochen) im Wurzelbereich, dem Verlust des Paradontalspaltes und einer verminderten Röntgendichte im Wurzelbereich.

Typ 3-betroffene Zähne zeigen Charakteristiken der vorangegangenen Typen zusammen auf.

Das Stadium 1 charakterisiert sich durch eine Resorption im Zement, die meist nur histologisch nachweisbar ist. Wenn man eine Resorption im Zement und Dentin feststellt, spricht man vom Stadium 2. Wenn es zum Einbruch in das Pulpacavum kommt, ist das Stadium 3 erreicht. Das Stadium 4 ist nochmal weiter unterteilt: hier sind bereits große Teile des Zahns resorbiert, entweder Wurzel und Krone zu gleichen Teilen (4a), vorwiegend die Krone (4b) oder vorwiegend der
Wurzelbereich (4b). Im Stadium 5 befinden dich die Reste der Wurzeln in der Remodeling-Phase.

Ätiologie und Pathogenese

Die genaue Ursache konnte bisher nicht eindeutig festgestellt werden. Es sind einige Möglichkeiten, auch im Zusammenspiel miteinander, in der Diskussion. So gibt es die These, dass die mechanische Belastung, chronische Entzündungsprozesse oder auch chronisches Erbrechen begünstigend wirken können. Bei der felinen chronischen Gingivostomatitis (FCGS) finden sich sehr häufig zusätzlich resorptive Störungen der Zähne. Ein sich regelmäßig wiederholender Kontakt des sauren Mageninhalts mit der Schmelz-Zement-Grenze ist beim Menschen nachgewiesen. Zusätzlich gibt es eine dokumentierte Altersproportionalität.

Die Idee, dass die Domestikation mit eine Ursache ist, wurde durch Untersuchungen bei wildlebenden Großkatzen widerlegt. Welche Futterart (trocken oder nass) die Katze bekommt, spielt keine Rolle. Wahrscheinlich ist, dass die TR durch mehrere Faktoren begünstigt werden, also multifaktoriell
bedingt ist.

Häufig werden von Laien die Begriffe FORL und Karies synonym verwendet. Dies ist aber absolut inkorrekt. Beim Karies handelt es sich um eine bakteriell verursachte Erkrankung. Die genaue Ursache der TR ist wie beschrieben noch nicht geklärt. Auch histologisch zeigen sich deutliche Unterscheidungsmerkmale. Beim Karies findet sich eine Demineralisation des Dentins, wobei bei TRbetroffenen Zähnen das die Läsion umgebende Dentin unverändert bleibt. Ein Kariesbefall hat eine Tertiärdentinbildung zur Folge, bei den TR finden sich offene Dentintubuli. Zusätzlich finden sich hier Osteoidbildungen. Sie stellen eine sogenannte Defektheilung dar.

Die TR oder auch RL durchlaufen 4 Phasen.
Zunächst resorbieren durch Zytokine und andere Entzündungsmediatoren aktivierte Odontoklasten das Zement und anschließend das Dentin (Resorption). Der Beginn verläuft im Verborgenen im Bereich der Schmelz-Zement-Grenze oder apikal. Darauf folgt die Umbauphase. In dieser kommt es zu einem Einbruch in die Pulpahöhle. Mit der Unterminierung des Zahnschmelzes beginnt Osteoidbildung, darauffolgend kommt es zur Ossifikation, im Laufe dessen kommt es zu einem Wegbrechen der Zahnkrone.

Therapie

Die Therapie der Wahl ist, in Ermangelung von Kenntnissen der genauen Auslöser, die chirurgische Extraktion der betroffenen Zähne. Sogenannte ‚gedeckte‘ Extraktionsversuche sollten vermieden.
Der Wundverschluss hat mit einem monofilem Faden zu erfolgen.
Eine Füllung der Zähne mit Glasiniomeren, wie sie bei menschlichen Milchzähnen, die von Karies befallen sind, ist bei einem RL-betroffenen Zahn nicht sinnvoll, da die Resorption um die Füllung weiter voranschreitet.
Es gibt auch die Technik des sogenannten ‚Atomisierens‘. Hierbei wird die Wurzel mit einem hochtourigen Ausfräsen entfernt. Die möglichen Folgen können allerdings so schwerwiegend sein, dass diese Methode abzulehnen ist. Es kann zu Knochennekrosen aufgrund der entstehenden Hitze, zur Verletzung benachbarter Zähne oder auch zu einem Einbruch in den Mandibularkanal oder die Nase kommen.
Bei Typ 2 der RL ist es möglicherweise sinnvoll eine partielle Extraktion in Form einer Kronenamputation durchzuführen. Dies ist aber nur bei Wurzeln in der Remodeling-Phase ohne vorhandenen Paradontalspalt und ohne begleitende starke Entzündung (absolute Kontraindikation: FCGS) anzuraten. Danach sind regelmäßige Röntgenkontrollen anzuraten.

Fazit

Es lässt sich folgendes festhalten: Sollten bei einer Katze fehlende Zähne, fokale Gingivitiden, sichtbare Resorptionen, einseitiger Zahnstein (deutet auf einseitiges Kauen hin), vermehrtes Speicheln oder ein Chattering bei der Sondierung auffallen, ist ein intraorales Röntgen zur Diagnosestellung dringend anzuraten. Wenn frühzeitig bei entzündlichen Veränderungen eingegriffen wird, gibt es die Möglichkeit das Erkrankungsrisiko zu vermindern.

Menü